Untitled (Anonymous I) (detail)
2008, 128 x 100 cm
Der Schein trügt, die Realität wankt. Die
Perspektive in Adens Fotoarbeiten irritiert unsere Wahrnehmung.
Denn er bildet öffentliche wie private, mitunter existenzialistische Räume
in besonderer Weise ab: steil von oben.
Wie auf architektonische Modelle schaut der Betrachter herab und findet sich gleichzeitig in ihnen eingeschlossen.
Die Aufsichten auf den Rückzugort Wohnung bekommen einen voyeuristischen Anstrich. Die identitätabbildende Ordnung der persönlichen Dinge auf einem
Blick stellt die Selbstverwaltung des Wohnens, das Lebensmodell,
auf eine provokant sachliche Ebene und erinnert auf diese Weise an
das Objektiv einer latent anwesenden Überwachungskamera. Gleichzeitig forciert die ästhetische Ordnung durch die Totalansicht die
Flächigkeit und lässt Farben und Formen ein Eigenleben führen.
Das Bild gewinnt an formalästhetischer Selbstständigkeit.
Adens nüchterne und gleichzeitig abstrahierende Bildnisse geben
die Beobachtung an den Beobachter auf der Ebene künstlerischer
Deutungsmuster weiter. So erinnert Adens Vorgehensweise an Niklas
Luhmann, der immer schon wusste, dass jedes Individuum aus dem
Reservoir seiner eigenen Beobachtungen neue Bewertungen seiner
Umwelt erstellt, ohne jemals die kulturell vorgeformten Muster
dabei reflektieren zu können. Adens Arbeiten hingegen machen
diesen Vorgang, zumindest ästhetisch, transparent.